4. Oktober 2018

Eines der ältesten Feste feiern – neuer Sinn für traditionelle Werte

Kennen Sie die Erntedank-Geschichte vom Bauern, der Erntedank eigentlich nicht feiern wollte? Sie geht so: Der Bauer ging an einem sonnigen Herbsttag seines Wegs und begegnete einer Familie am Wegesrand. Diese lud ihn ein, sich mit ihnen ein kleines Brot und eine Handvoll Trauben zu teilen. Der Familienvater erzählt, wie vor ein paar Tagen Haus und Hof abgebrannt seien und ein netter Nachbar ihnen dieses Essen geschenkt hatte. Der Bauer wunderte sich, warum sie trotzdem dankbar seien und dies wenige auch noch teilen wollten. „Meine Familie ist unbeschadet den Flammen entkommen, dafür bin ich dankbar. Und das möchte ich mit anderen teilen und auch etwas weitergeben.“ Klingt nicht unmöglich – oder?

Diese Tage ist Herbst, Oktober: Die Ernte ist eingefahren. Und sicher ist es nicht überall so wie erwartet oder erhofft: denn ein glutheißer Sommer liegt hinter uns mit vielen Anstrengungen. Dankbar für viele Mühen zu sein, ist nicht immer einfach. Auch lässt uns ein stressiger Alltag oft vergessen, für was wir dankbar sein können. Aber es gibt immer ein Aber…

Erntedank: danken und teilen

Seit Jahrhunderten feiern die Menschen das Erntedankfest. Das Brauchtum, das vielerorts mit Almabtrieb und großem Glockengeläut, Umzügen, Dekorationen aus Feldfrüchten und Obst, Erntekronen oder Erntepuppen sowie mit Festen und Gottesdiensten begangen wird, geht zurück aufs 3. Jahrhundert. Damit gehört es zu den ältesten Festen, die wir in Gemeinschaft feiern, um Gott – oder überhaupt – für die Gaben der Ernte zu danken.

Wann wird Erntedank gefeiert?

Allgemein findet das Erntedankfest im Herbst nach der Ernteeinbringung statt. Je nach Region kann das an einem Sonntag noch im September liegen oder am 1. Sonntag des Oktobers. Die unterschiedlichen Termine ergeben sich z. T. aus konfessionellen Gründen: Die Bischofskonferenz im Jahr 1972 hat den 1. Sonntag im Oktober als Termin festgelegt, die protestantische Kirche feiert am ersten Sonntag nach Michaelis, den übrigens auch der „Alte Fritz“ 1773 als Erntedank festgelegt hatte. Aber eigentlich kann Erntedank erst gefeiert werden, wenn die letzten Wagen vom Feld rollen – und je nach Klimaveränderung wird das in naher Zukunft später sein im Oktober. Dann müssten wir noch einmal umdenken.

Das Erntedankfest – keine ausschließlich europäische Tradition

Thanksgiving ist mit seinem Truthahnessen sicher die bekannteste internationale Tradition des Erntedanks. Doch auch in vielen anderen Teilen der Welt wird Erntedank gefeiert wie etwa das Pongal auf Sri Lanka oder das Danjiri Matsuri, die japanische Variante des Erntedankfestes.

Zurück zu den Ursprüngen: frisch geerntet schmeckt am besten

Services und Angebote wie Direktverkauf am Hof, Obst und Gemüse saisonal und frisch aus der Region, das Gemüsekisten-Abo, Bauernmärkte oder Projekte wie Freiluftsupermärkte zeigen, dass Konsumenten wieder einen stärkeren Bezug zu Lebensmitteln haben und nicht im Supermarkt irgendetwas von irgendwoher einkaufen möchten. Mit dieser Entwicklung erhält auch das Erntedankfest vielleicht für mehr Menschen wieder eine Bedeutung – und gibt Anlass zur Freude. Und die kann man wiederum sehr gut bei einem Fest miteinander teilen.

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